Bericht von den Dreharbeiten

    Eindrücke von der Produktion des ARD-Zweiteilers „Das Weisse Haus am Rhein“ in der Kulturstadt.  Von Thomas Herschbach.

    Unkel. „Hier können Sie jetzt gerade nicht durch“. Der freundliche Hinweis des früheren Journalisten-Kollegen gilt einer Joggerin, die auf der Rheinpromenade in Richtung Gefängnisturm läuft. Grund ist der nächste Drehtag des historischen ARD-Zweiteilers „Das Weisse Haus am Rhein“. Erneut ist Unkel Schauplatz der Produktion, die zu Anfang des vorigen Jahrhunderts spielt. Es geht um das Rheinhotel Dreesen und den Überlebenskampf der gleichnamigen Unternehmensfamilie.

    Von der Pützgasse bis zur Lühlingsgasse sind die Wege hinunter zum Rhein durch freundliche Mitarbeiter des Produktionsteams zum Rhein versperrt. Mit der technischen Leitung der Kulturstadt, Frank Jax und Torsten Jammel vom Bau- und Betriebshof, bin ich mit Motiv-Aufnahmeleiter Tobias Velmans verabredet.

    Der Film- und Fernsehprofi war auch der Ansprechpartner in den Vorgesprächen und Verhandlungen, die der 1. Stadtbeigeordnete Wolfgang Plöger und ich mit der Zeitsprung-Pictures GmbH, die die Dreharbeiten verantworten, geführt hatten. Der erste der Bürgermeister-Stellvertreter kennt sich auch in diesem Metier bestens aus: er und ich waren bei der Produktion der Netflix-Serie „How to Sell Drugs Online Fast“ in Unkel ebenfalls für die Kulturstadt an Bord.

    Wer treffen Tobias Velmans am Rheinhotel Schulz, das den Filmschaffenden freundlicherweise auch für den zweiten Drehtag die Nutzung des hoteleigenen Parkplatzes ermöglicht hatte. Gleich nebenan war beim ersten Dreh das Weinhaus zur Traube der Hauptschauplatz. Diesmal stellte das gastronomische Traditionshaus seine Räumlichkeiten als weitere Garderobe vor Ort zur Verfügung – „die Betreiber und Verantwortlichen der Kulturstadt sind wirklich sehr nett und unterstützen uns wo es geht“, lobt der Motiv-Aufnahmeleiter. Ein paar Meter weiter wirkt die Unkeler Vogtsgasse wie ein Bienenstock, dort gibt sich gerade ein Schwarm aus Technikern, Kameraleuten, und Schauspielern in historischen Kostümen ein Stelldichein mit dem Regisseur.

    Mit dem Geschehen ist Tobias Velmans per Headset verbunden. Er weist mich auf einen Aufnahmekran im Miniformat hin und erläutert wie die Apparatur den Szenen über die passende Kameraeinstellung die gewünschte Dimension gibt. Der Drehtag ist ein Nachholtermin, denn eigentlich hätten die Szenen schon am 16. November im Kasten sein sollen. Doch Corona machte auch diesen Planungen einen Strich durch die Rechnung.

    Dementsprechend ist bei allen Beteiligten Geduld, Gelassenheit und Flexibilität gefragt. Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil weitere Dreharbeiten in enger Taktung unter anderem in Polen und Nürnberg und eben nicht nur auf dem Drachenfels oder naheliegenderweise in Bonn stattfinden.

    Zugleich muss die Szenerie stets authentisch, eben zeitgemäß, wirken. So sind die Steiger der Schiffsanleger epochen- und stilgerecht mit großen Anlande-Tafeln versehen, auf denen in historischen Lettern die Aufschrift“ Anleger Rolandswerth“ prangt. Gleich nebenan findet sich ein wunderbares Ruderboot aus Holz, in dem schon der junge Konrad Adenauer hätte unterwegs sein können. Auf der Promenade ist ein Ensemble aus nostalgischer Straßenlaterne und blühenden Blumentöpfen, wie aus Anno 1920 entführt, zu sehen.

    Dank der Produktionstechnik und des Bauhofes Unkel verschwindet nahezu alles, was auf das 21. Jahrhundert hindeuten könnte oder es wird  hinter Verblendungen versteckt. „Wir hatten sogar schon einmal ebenfalls zur Herbstzeit einen Dreh, in der die Szene allerdings im Frühling spielt. Da sind dann tatsächlich Kunstblätter einzeln an die Bäume geklebt worden“, verrät Tobias Velmans.

    Mit ihm gehe ich weiter zum sogenannten „Base Camp“. Dabei handelt es sich nicht um das Basislager einer Himalaya-Expedition, als vielmehr um das kleine Produktionsdorf mit Verpflegungsbus, Wohncontainern, Toiletten und Garderobe. Gerade bietet mir Tobias Velmans einen Kaffee an, da kreuzt mit Benjamin Sadler einer der Hauptdarsteller den Weg. Frühstückspause mit Käsebrot - so rustikal wie die Witterungsbedingungen an diesem Drehtag. Die Jungs vom Bauhof sind derweil wieder im Einsatz; es hakt an der Wasserversorgung, aber das ist schnell bewerkstelligt.

    „Wir fühlen uns hier in Unkel prima aufgehoben. Die Zusammenarbeit war nicht nur zielführend, sondern vor allem auch menschlich sehr angenehm“, lobt Tobias Velmans die Kulturstädter. Sein Weg führt ihn erst wieder hinunter an den Rhein und später dann am zum nächsten Drehort Nürnberg und mich zurück ins Historische Rathaus. Alles im Wissen darum, dass die Kulturstadt nun auch für Film und Funk eine erste Adresse ist.

    „‘Das Weiße Haus am Rhein‘ ist das sehr ambitionierte Unterfangen, und passt alleine schon daher perfekt zu unserer Firma Zeitsprung Pictures, die dramatische Geschichte eines ganzen Kontinents, über die nicht minder dramatische Biografie eines einzelnen Menschen, Emil Dreesens und seiner Familie, begreifbar und spürbar zu machen. Vor der Kulisse des mächtigsten Stromes, des europäischsten aller Flüsse, des Rheins, an einer der schönsten und mythischsten Stellen, spielt unser Zweiteiler.“
    (Michael Souvignier und Till Derenbach, Produzenten)

    „Das Weisse Haus am Rhein“ wird 2021 im Ersten Fernsehprogramm ausgestrahlt. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.